Die blaue Synapse oder «… meine neue, aeh – Taetigkeit» Frank Schulz

von

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Zum Primat der Künste Wolfgang Herrndorfs.

Aus gegebenem Anlass eine persönliche Erinnerung

von Frank Schulz

 

 

Braucht’s je einen gegebenen Anlass, um über die schönen Künste zu schreiben? Eigentlich nicht. Es braucht einem ja nur ein Liedrefrain, ein Detail in einem Bild, eine Stelle in einem Buch einzufallen, und schon könnte man in die Tasten hauen.

Mir zum Beispiel fällt immer mal wieder die folgende Passage aus Wolfgang Herrndorfs Debütroman «In Plüschgewittern» ein:

«Ich erinnere mich noch genau an einen unglaublich heißen Sommer, wo Malte Lipschitz und ich jeden Tag im Heu lagen und Kaugummi kauten, bis uns die Zähne davon wehtaten. Am Ende bewarfen wir mit Kaugummikugeln die Krähen, die in großen Scharen den Acker absuchten. (…) Schließlich war der ganze Acker mit kleinen bunten Punkten übersät. Wir hatten ziemlich viele Automaten geknackt. Noch Jahre später fand man dort am Feldrand immer wieder einige zerdetschte Kugeln, die ihre Farbe fast alle ganz verloren hatten bis auf die blauen. Ich glaube, das war die glücklichste Zeit in meinem Leben.»

Hinreißend, oder? Inwiefern eigentlich? Vielleicht aufgrund des relativierenden Relativsatzes? «… die ihre Farbe fast alle ganz verloren hatten bis auf die blauen.» Mich jedenfalls entzückt dieses scheinbar unscheinbare „… bis auf die blauen“ stets aufs neue. Auf knappste poetische Weise verwandelt es Kognition in Emotion. Eine vage, aber nüchterne lebensmittelchemische Vermutung beglaubigt dieses Panoramabild vom mit Kaugummikugeln gespickten Acker, doch was es zum Leuchten bringt, ist ein absurder Hoffnungsschimmer der Dauerhaftigkeit von Glück. Ein sehr gelungenes Bild, wie ich finde. Und da Farbe darin diese interessante Rolle spielt, möchte ich – unter dem Stichwort «blaue Synapse» – die Frage aufwerfen, ob sich jenes Bild des Sprachkünstlers Herrndorf womöglich dem Blick des bildenden Künstlers Herrndorf verdankt.

Beantworten möchte ich sie zugegebenermaßen nicht (das wäre doch eine hübsche Aufgabe für Doktoranden der Literaturwissenschaft), bloß via Thema eben doch auf einen gegebenen Anlass hinweisen. Braucht man zum Schreiben nicht unbedingt einen, so zum Veröffentlichen ja gewöhnlich schon.

Glücklicherweise gibt’s in puncto Herrndorf dieses Jahr gleich zwei: Fatih Akins Verfilmung (ergo: Inbildsetzung) des Romans «Tschick» kommt am 15. September in die Kinos, und nach der letztjährigen Ausstellung von Herrndorfs Gemälden, Zeichnungen, Karikaturen etc. im Berliner Literaturhaus anlässlich seines 50.sten Geburtstags (darunter drei kleinformatige, aber um so großartigere Acrylgemälde, die ich stolz mein Eigentum nennen darf) wird eine in München folgen sowie eine weitere in der kleinen Hansestadt Stade.

Aus der Gegend um jenes Stade übrigens – einem Dorf namens Hagen – stamme zufällig ich. Nicht zufällig gelten jener Gegend meine ersten drei Romane. (Zufällig aber hat die «Hagener Trilogie» dieses Jahr Jubiläum: «Kolks blonde Bräute» erschien vor 25, «Morbus fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien» vor 15 und «Das Ouzo-Orakel» vor 10 Jahren.) Wiederum mitnichten zufällig, sondern weil er zu seinen bevorzugten Illustratoren zählte, hatte mein damaliger Verleger Gerd Haffmans Wolfgang Herrndorf damit betraut, das Covermotiv von «Morbus fonticuli» zu besorgen. Das dürfte anno 2000 gewesen sein. Vorher kannten wir uns bloß flüchtig, danach näher.

Am 3. Februar 2003 schrieb ich Wolfgang eine E-Mail. Sie löste einen E-Dialog aus, der den oben erwähnten, für mich zu dem Zeitpunkt vollkommen überraschenden Widerstreit seiner beiden außerordentlichen Talente veranschaulicht – und mithin quasi den «blauen Kern» berührt …

 

Lieber Wolfgang,

bei Haffmans / Zweitausendeins wird höchstwahrscheinlich noch mal Kolks blonde Bräute aufgelegt. Ich würde mich vor Freude kugeln, wenn Du … ahnst Du schon was? Würdest das machen? Wa? Sag mal!

Herzlich grüßt

Frank

 

Und prompt kam der Stein ganz ungut wie folgt ins Rollen.

 

Lieber Schulz!

Was das Covermalen betrifft, kann ich mich leider nur selbst zitieren, gestern musste ich naemlich schon Heiko Arntz (dem einstigen Lektor Haffmans’; FS) absagen: Ich schiebe diese Malauftraege immer wie Zahnarztbesuche vor mir her, das drueckt aufs Gemuet. Letzte Woche habe ich einen Titanic-Auftrag schmeissen muessen, aus Unfaehigkeit. Im grossen und ganzen bin ich wildentschlossen, keinen Pinsel mehr anzuruehren und mich ganz auf meine neue, aeh – Taetigkeit zu konzentrieren. Das einzige, was ich seit einem halben Jahr gezeichnet habe, war ein kleiner Rabe fuer Haffmans, und das auch nur, weil an dem Tag die taz mein Buch verrissen hatte und ich nicht weiterschreiben konnte. Tut mir wirklich leid. Schoene Gruesse, Wolfgang

 

«Mein Buch» bezieht sich auf «In Plüschgewittern», das im Vorjahr im Haffmans Verlag bei Zweitausendeins erschienen war (und zwar mit einem gediegenen graphischen Titel). Begeistert von diesem seinem Erstling, schrieb ich eine Rezension (für den ‹Spiegel›; erschienen aber ist sie letztlich in ‹Konkret›). Um Antworten auf ein paar Fragen dazu zu bekommen, hatte ich Wolfgang angerufen, und schon im Zuge jenes Telefonats hatte er von einer anhaltenden Idiosynkrasie gegenüber der Malerei gesprochen, ja gegenüber Bildern überhaupt. Nicht ein einziges hänge an seinen vier Wänden, auch kein fremdes. Er könne «das alles» nicht mehr sehen. Die Küche schmücke lediglich ein zweiteiliges Foto. Der erste Teil zeige, wie Winnie Jones, der härteste Verteidiger der englischen Fußballliga, einen Sechsjährigen dahinsense, und der zweite, wie er seine Unschuld beteuere.

Wie auch immer, dass Wolfgang nun tatsächlich offenbar radikal ernst machte, haute mich schier aus den Socken.

 

Wahnsinniger Wolfgang,

das KANNST Du mir doch nicht antun! Und nicht nur mir nicht, sondern überhaupt gar niemandem!! Was soll denn das heißen, keinen Pinsel mehr anrühren?! Ja, bist Du denn vollkommen verrückt geworden! Was soll denn bloß werden!? Soll ich mir selber ’n Bild malen, oder was? Weißt Du eigentlich, wie lange ich nicht mehr gemalt hab? Seit circa fünfunddreißig Jahren! Mein letztes Werk war der Mann mit dem Goldhelm, und dafür hab ich ’ne Vier minus gekriegt! Was glaubst Du wohl, wie scheiße der heutzutage erst aussähe! Das geht doch nicht! Im Ernst! Mensch! Wolfgang! Nicht doch! Du bist doch praktisch der einzige, welcher! Und alles. O Gott, was hab ich Dir denn getan! Hab ich Dich zu weit runtergehandelt bei dem Morbus-Original? Ich leg noch fünfzig Euro drauf! Bitte, bitte! Grein! Gra-ha-hein!

 

Ich bitte es zu entschuldigen, sollte das Pfeifen im dunklen Keller nur allzu schrill klingen – aber ich war nun mal ernsthaft entsetzt. Wolfgang indessen blieb entsetzlich ernsthaft.

 

Lieber Schulz,

nein, wirklich nicht, es hat doch alles mit Dir und allem nichts zu tun – Geld spielt sowieso keine Rolle – ich bin schon seit Jahren immer dabei, mit Malen aufzuhoeren, jetzt sehe ich halt meine Chance gekommen, ich will es wenigstens probieren. Malen ist fuer mich wie Zahnarzt ohne Betaeubung, ich KANN das nicht mehr (ich schreibe auch gerade an einer Geschichte, die ungefaehr erklaert, warum). Und glaub mir, Fotos sind sowieso besser auf dem Umschlag! Es tut mir wirklich leid, sei mir bitte nicht gram – Dein Wolfgang

 

Warum zum Kuckuck er Fotos auf Umschlägen besser fand, weiß ich nicht mehr. Sollte er mir diese seine Meinung womöglich mündlich erläutert haben, so dürfte ich höchstwahrscheinlich aus glasklaren egoistischen Motiven weggehört haben – und wetterte:

 

… die Geschichte will ich aber lesen! Außerdem, Zahnarzt ohne Betäubung, na und? Weichei! Unsereins geht sogar ohne Betäubung zum Friseur! Und glaub doch ja nicht, daß Schreiben einfacher ist! Nach ’ner Weile ist das doch genau so’n Schlauch! Au, au, au weh … Mensch, Mensch, Mensch, was mach ich bloß … Gut, ich mal selber eins, aber ich schreib «Herrndorf» drunter, und dann kriegst Du in dieser Künsterrepublik kein Bein mehr an die Erde! Und ich werd einen widerlichen Softporno in die ‹Frau im Spargel› lancieren, rat mal, unter welchem Pseudonym! Und … und … Mensch, Mensch, Du kannst doch eine solch begnadete Kunst, wie Du sie beherrschst, nicht so mir nix dings nix … Au, au … Gruhuhuß von Schuhuhulz

 

Mit Bezug auf den Satz «Nach ’ner Weile ist das doch genau so ’n Schlauch» erwidert Wolfgang etwas, das mich beim Wiederlesen noch genauso hin und her reißt wie damals – nämlich zwischen Fassungslosigkeit über den vermeintlich schnöden Pragmatismus im Verrat seines Ausnahmetalents einerseits und andererseits Respekt vor den ja durchaus beeindruckend geschilderten handwerklichen Unbilden:

Ja, bzw. nein. Der Unterschied ist: Man macht sich nicht die Haende schmutzig, man kann korrigieren ohne Ende, man braucht keine widerspenstigen Hilfsmittel, man verbloedet nicht dabei, man beschreibt nicht fuenf Tage einen Himmel, um dann festzustellen: kann man wegschmeissen (am Telefon sagte Wolfgang einmal sinngemäß [und natürlich bewusst simplifizierend]: «Wenn ich einen Swimming-pool malte, dauerte das Tage, nun schreibe ich einfach ,Swimming-pool‘ hin …»; F. S.), man hat keine Rueckenschmerzen, man muss nicht auf Sonnenlicht warten, man muss nicht acht Stunden am Stueck arbeiten, man hat keinen Termindruck, man muss es nicht mit der Post verschicken, man kann hundert Sicherungskopien machen, die alle so gut sind wie das Original, und wenn man mal einen Fehler macht, verbessert man ihn einfach. Das ist der Unterschied! Davon abgesehen wuensche ich natuerlich viel Erfolg mit Kolk. Wolfgang

 

Der gleichbleibend freundliche, aber in der Sache unerbittliche Ton meines Widersachers trieb mich geradezu in eine Panikattacke. Sein Bild, das den Umschlag meines «Morbus fonticuli» ziert(e) und dessen Original seither fein gerahmt über meinen Schreibtisch wacht(e), bedeutet(e) mir unsagbar viel. Mein Wunsch, die eines Tages komplette Trilogie einheitlich in seinen Strich gehüllt zu wissen, war unbändig, und so ganz allmählich sah ich meine Felle davon­schwimmen.

Also schwang ich mich zu einem letzten großen Kraftakt auf.

 

… Moooment! Man macht sich WOHL die Hände schmutzig, und zwar im übertragenen Sinne, was ja wohl schlimmer ist als ein bißchen Ocker unterm Nagel. Und was daran so schön sein soll, daß man korrigieren kann ohne Ende (wenn man will, nimmt das nämlich NIE eines), will mir nicht recht in den Dickkopp. Und wenn zickende PCs und Arschlöcher von Drucker keine widerspenstigen Hilfsmittel sind, dann weiß ich auch nicht. Und man verblödet vielleicht nicht dabei, dafür wird man u. U. irre oder impotent (und nur wenn man Glück hat, beides). Man beschreibt vielleicht nicht fünf Tage einen Himmel und schmeißt ihn dann weg, aber man beschreibt sehr wohl fünf Tage lang eine Szene und schmeißt sie dann weg. Und man hat keine Rückenschmerzen? MAN HAT KEINE RÜCKENSCHMERZEN? Was zum Teufel soll denn das heißen?! Selbstverständlich hat man Rückenschmerzen! Ohne Rückenschmerzen schreibt man doch nur Scheiße zusammen! Und man wartet vielleicht nicht auf Sonnenlicht, dafür aber darauf, daß jemand das verfluchte Buch zu Ende schreibt, und dann stellt man fest, daß es doch keiner für einen erledigt, wenn man nicht alles selber macht. Allerdings muß man tatsächlich nicht acht Stunden am Stück täglich arbeiten, sondern 24. Und man hat sehr wohl Termindruck, weil das Scheißding ja auch irgendwann fertigwerden muß. Und stimmt, man muß es nicht mit der Post verschicken, man kann’s auch persönlich zum Verleger bringen. Und man KANN hundert Sicherungskopien machen, die alle so gut sind wie das Original – WENN das Original gut ist. Wenn nicht, braucht man auch keine hundert Sicherungskopien zu machen. Und wenn man «mal» «einen» Fehler macht, verbessert man ihn «einfach»? Willst Du mich veralbern? So, und mir dann auch noch frech viel Erfolg mit Kolk zu wünschen, wo es doch gar keiner werden kann, wenn nicht ein Bild von dir drauf ist!! Und was ist mit meinem dritten Buch?! Wer bemalt das? Ich hab mir schon alles so wunderbar vorgestellt, Du sollst da ein richtig schönes Dings machen mit Lemma und Ikon und alles, Mensch! Nur eine einzige, äh, zwei winzige Ausnahmen noch! Ich komm auch nach Berlin und massiere Dir die Nackenmuskeln! Oder soll ich Dir ’ne Masseuse besorgen? Ich mach auch den Handlanger! «Schulz, Pinsel!» und ich steh‘ da wie ’n Dschinn! Nur eine etwas größere Vignette … please! Ich mach Dir den Sekretär, ich koch Dir ’n Süppchen, ich kaufe ein und bohnere das Bad und alles. DU KANNST MICH DOCH JETZT NICHT SO HÄNGEN LASSEN! Sind’s die Schweine von der taz? Die mach ich fertig, kein Problem! Ein Wort von Dir genügt, und ich hetze denen Kai Diekmann oder Al Kaida auf den Hals! Gerd Haffmans hat mir auf Anforderung übrigens den Text geschickt, den kannst Du vergessen. Ich weiß nicht, welches Buch der Rezensent gelesen hat, Deines jedenfalls nicht. So, ich kann bald nicht mehr. SAG ENDLICH JA! Jott, a, ganz «einfach» (Herrndorf).

So, schon sieben nach sieben, aber ich kann nicht aufhören. Was noch. Ich laß mich in die Jury vom Büchner-Preis wählen und verleih Dir nächstes Jahr den Büchner-Preis. Ja? Ach so, und übrigens bin ich im Besitz einer sehr schönen Erstausgabe von „The Catcher in the Rye“ mit Signatur von Jerome David Salinger persönlich, die würde ich Dir herzlich gern überlassen, sagen wir, gegen einen symbolischen Kaufpreis von zwei Coverbildern. Einverstanden? Nichts zu danken, gern geschehen. Also abgemacht. Ich kann auch nicht mehr. Ich muß jetzt erst mal was essen und mich ein bißchen hinlegen (der Rücken, der Rücken). Prima, freut mich jedenfalls. Eine hübsche kleine große Vignette für Kolks blonde Bräute und ein wunderbares Bild für das Ouzo-Orakel. Gebongt! Na, endlich. (Letzteres eilt auch nicht so, und bei der Kolk-Vignette kannst Du Dir auch noch ein paar Monate Zeit lassen.) War ich zu aufdringlich? Na, jedenfalls 1000 Dank im voraus, und wir sehn uns dann in Berlin! Dein sehr und zutiefst ergebener Schulz

 

Desungeachtet, dass ich was von ihm wollte: Mutet es ein bisschen seltsam an, dass ich (der Ältere) dem Jüngeren gegenüber einen so über die Maßen buhlerischen Ton anschlage? Er entsprach dem unserer gelegentlichen Telefonate und Begegnungen. Bei aller teils offenkundigen, teils tiefenstrukturellen Komik in seiner Bild- und Wortkunst – Herumalbern schien mir Wolfgangs Sache nie (aber ich mag mich täuschen). Stets schien er mir eine Art natürliche altmeisterliche Contenance an den Tag zu legen, die für mein Empfinden mitunter ein bisschen zu arg ins salingerhaft Distinktive lappte. Wie auch immer, sagen wir, wie’s war: Ich mochte ihn, verehrte ihn und wollte ihm gefallen, und deshalb umhudelte ich ihn ganz gern – Altershierarchie hin und her –, und sobald ich ihn zum Lachen gebracht hatte, fühlte ich mich meist wohler in seiner oft ein bisschen spröden Aura.

Und so atmete ich fürs Erste auf, als seine Antwort lautete:

 

Lieber Schulz, das ist sehr lustig, und hey, Du kannst ja schreiben und viel schreiben, und es geht Dir leicht von der Hand! Stell Dir vor, Du haettest die Aussage der letzten Mail in Oel malen muessen, was ein Desaster das geworden waere. Soviel zum Primat der Kuenste. Ansonsten, Mann, warum liegt Dir soviel daran, daß ich Dein Buch verschandele? Bilder sind SCHEISSE auf Covern, reine SCHEISSE. Ich kann wirklich nicht. Wenn es noch paar Monate Zeit hat, mein Gott, ja, naja, frag mich halt in etwa drei Monaten nochmal, ok? Frueher echt nicht, ich werd depressiv sonst, ich komm seit Wochen zu nichts. Und was soll ich sonst sagen? Ich meine, ich wusste wirklich nicht, dass es Dir so wichtig ist, Dein Buch verschandelt zu sehen. Ja, frag mich in 3 Monaten nochmal. Und sag niemandem nichts, ich will einfach keine Auftraege mehr kriegen und ablehnen. Mit den allerbesten Gruessen, Wolfgang

 

… ok. Ok. Ok. Jawoll. Wie Du willst. Gebongt. In drei Monaten, ok. Ich schweige erst mal wie ein Toter, betone aber nochmals, was für eine riesige Freude es mir wäre, wenn. Als damals Deine Farbkopie von dem Morbus-Cover kam, das war für mich eine Art Epiphanie! Und jetzt hängt dieses genialische Meisterwerk da original an der Wand und bereitet mir jeden Tag, ich wiederhole: jeden Tag ein geradezu metaphysisches Vergnügen. Also sprich bitte nicht von Scheiße, wenn Du von einem meiner Lieblingsgegenstände sprichst! Oder, das heißt, wenn’s Dir Spaß macht, tu’s natürlich nach Herzenslust, Hauptsache, äh, nicht wahr?

Reichlich Tinte auf’n Füller wünscht Frank

 

Pünktlich drei Monate später, versteht sich, stand ich quasi wieder bei ihm auf der Matte. Und zu meiner grenzenlosen Erleichterung ließ er sich nicht lumpen und lieferte ein neuerliches Meisterwerk ab, und etliche Zeit später gar noch ein drittes (für «Das Ouzo-Orakel»). Bis heute bin ich ihm dankbar dafür – wann immer mein Blick auf die drei wundervollen Gemälde über meinem Schreibtisch fällt.

Und jene kleine Skurrilität am Rande macht sie mir nur noch wunder- und wertvoller …

 

EPILOG

(zwei Monate nach Erhalt des Coverbildes für «Kolks blonde Bräute»)

 

Sehr geehrter Herr Herrndorf,

beim Ablagemachen mußten wir bedauerlicherweise soeben feststellen, daß Kolk in ein und derselben Haltung niederkauert wie Gerald Asamoah auf den einst von Ihnen für das Satiremagazin Titanic gemalten WM-Sammelbildchen. Aus diesem Grunde halten wir es für gerechtfertigt, um einen Rabatt von ca. 1 Promille auf den ursprünglichen Kaufpreis für das Kolk-Original nachzusuchen. In der Hoffnung, daß Sie sich unserem Argument nicht verschließen werden, verbleiben wir

mit vorzüglicher Hochachtung und so weiter, und so weiter; Sie kennen ja den Schmus, Froll’n Püffchen (Finger weg! Ich bin Bluter!).

Ihr

ppa. Schulz (nach Diktat verreist)

 

Lieber Herr Schulz,

wir sind bereit, diesen Abschlag zu akzeptieren unter der Bedingung, dass Sie in Zukunft nur noch an unsere neue, 75 % teurere Mail-Adresse schreiben.

Mit den allerbesten Grüßen

  1. A. Dr. Bermbach