06.09.2018 von Gorelik, Lena in Solitär

Lena Gorelik: Mein Schreibtisch


Den einzigen Schreibtisch, der mir je etwas bedeutete, habe ich verschenkt. Der Schreibtisch war alt, voller Dellen, voller Kratzer, er war eine Hässlichkeit. Ich schenkte ihn einem Studenten, der nach Deutschland geflüchtet war. Den Schreibtisch hatten mir meine Eltern gekauft, ein typisches Jugendzimmerstück, Kiefer hell, kurz nachdem wir nach anderthalb Jahren im Asylbewerberwohnheim in eine richtige Wohnung gezogen waren. Er war eines der wenigen Möbelstücke darin, das nicht vom Sperrmüll stammte. 


An diesem Schreibtisch schrieb ich sinntriefende Gedichte über das Verschwinden des Ich, später zog er mit mir von WG zu WG, von Stadt zu Stadt, auf ihm schrieb ich meinen ersten Roman. Vor der Trennung dichtete ich mir einen schönen Kreislauf: Dem Roman waren weitere gefolgt, also hatte ich mir irgendwann einen neuen Schreibtisch gekauft, der nicht nach Jugendzimmer aussah, und konnte nun den alten dem Studenten schenken, dem es genauso ging wie mir damals. Abends, der Platz vorm Fenster war kreischend leer, kam das Bereuen: An dem Schreibtisch hatte ich meinen ersten Roman geschrieben. Was hatten die Romane mit mir gemacht, dass ich Erinnerungen wegen ein paar Dellen verschenkte? 


weitere Neuigkeiten


05.11.2018 von Adler, Katharina in Solitär

«Save our democracy in five juicy flavors …»: Weshalb die Münchner Autorin sich an den US- Midterm Elections beteiligt   weiterlesen

02.11.2018 von Bekas, Gerasimos in Im Gespräch

«Alle Guten waren tot», ein Roman über die Identitätssuche eines jungen Deutsch-Griechen   weiterlesen

02.11.2018 von Fricke, Lucy in Solitär

Schutt und Asche: Wenn mit der Abrissbirne Stadtentwicklung betrieben wird, gehen die Bilder der Erinnerung verloren   weiterlesen

04.10.2018 von Giordano, Paolo in Solitär

«Als ich Bern und Teresa, Danco und Giuliana in ihr Besetzercamp und dann auf die Bäume folgte, tat ich das in völliger Wehrlosigkeit und doch mit der darunter liegenden Gewissheit, dass ich mich schwerlich mit ihnen gemeinsam in einem Kampf wie diesem wiederfinden würde.»   weiterlesen

03.10.2018 von Reschke, Anja in Solitär

Haltung ist wieder ein öffentliches Thema, nach Chemnitz und Köthen erst recht. Aber was ist das eigenlich: Haltung?   weiterlesen

03.10.2018 von Pfabe, Denis in Solitär

Man kann im Kaffeehaus schreiben oder im trendigen Co-Working-Space. Denis Pfabes Texte entstehen in einer holzverschalten Arbeitsbox im Keller …   weiterlesen

06.09.2018 von Ruge, Eugen in Solitär

Ist es in ein paar hundert Jahren mit dem Neuhochdeutschen vorbei? Eugen Ruges Rede im Dresdner Schauspielhaus vom 25. Februar 2018   weiterlesen

06.09.2018 von Missfeldt, Jochen in Kunststoff

«Meine Buchwelt ist streng. Texte schreiben ist schwer. Düsenjäger fliegen ist nicht so schwer…»   weiterlesen

06.09.2018 von Herrndorf, Wolfgang in Solitär

«Meine erste Freundin hieß Katharina Rage, ich war fünf Jahre alt. Wir wohnten im selben Treppenhaus …»   weiterlesen

02.08.2018 von Mahlke, Inger-Maria in Im Gespräch

Schon als Kind lernte die Autorin des Romans «Archipel» die Insel des ewigen Frühlings kennen und lieben   weiterlesen

02.08.2018 von Strunk, Heinz in Solitär

Rabiates Experiment: Ein Text aus Heinz Strunks neuem Buch «Das Teemännchen»   weiterlesen

02.08.2018 von Aramburu, Fernando in Solitär

Eine Weichenstellung aus Liebe: Wie Fernando Aramburu 1983 aus Saragossa nach Hannover kam   weiterlesen

27.07.2018 von Adler, Katharina in Solitär

Ida Adler, Sigmund Freuds «Fall Dora»: Wie aus einer Familienanekdote mein Roman «Ida» wurde   weiterlesen

Mit Buddha und Kerze, mit Säbel und Buch – so von den Göttern behütet, lässt sich gut arbeiten. Oder ist es ganz anders?   weiterlesen