06.09.2018 von Ruge, Eugen in Solitär

Eugen Ruge: Versuch über eine aussterbende Sprache


© Frank Zauritz


Yimas ist eine Sprache in Papua-Neuguinea. Sie wird noch von etwa dreihundert Personen in einem Seitental des Karawari gesprochen. Die Gemeinschaft der Yimas Sprechenden hat irgendwann beschlossen, ihren Kindern nicht mehr ihre Sprache weiterzugeben, sondern sie von Anfang an das melanesische Pidgin zu lehren, eine reduzierte Behelfssprache, in der die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit den Nachbarvölkern abgewickelt werden. Ihre Sprecher lassen die Sprache bewusst sterben, weil sie – vermutlich zu Recht – davon ausgehen, dadurch die Chancen der nachfolgenden Generation im ökonomischen Wettbewerb zu erhöhen. 


Wie lange Yimas existiert hat, ist unbekannt. Ebenso wenig weiß man, wie groß die Zahl der Sprecher einmal gewesen ist. Der Name der Sprache ist zugleich der Name der Sprechenden. Die Sprache ist ihre Identität. In ihr ist ihre Kultur aufgehoben, «ihre Art zu denken», ihre Weise, «Wissen und Traditionen weiterzugeben», wie es der Sprachforscher Gunter Senft formuliert. Zusammen mit der Sprache werden die Kultur und das Selbstverständnis der Yimas verschwinden. 


Als das Staatsschauspiel Dresden und die Sächsische Zeitung anfragten, ob ich bereit sei, an dieser Stelle zu sprechen, verspürte ich zunächst wenig Neigung dazu. Ich sage Ihnen offen, warum. Gewiss kann man die Gesellschaft, in der wir leben, nicht mit den Ländern vergleichen, wo Journalisten zu Hunderten in Gefängnissen sitzen, und doch erlaube ich mir zu sagen, dass mir die Art, wie wir Meinungsverschiedenheiten austragen, zu missfallen beginnt. Die Gesellschaft ist polarisiert, in Lager und Gruppen aufgespalten, die sich, in ihrer jeweiligen Blase eingeschlossen, selbst bejubeln und bestärken; es wird zur Kenntnis genommen, was ins Bild passt, alles andere wird ausgeblendet oder verfemt – und das gilt leider nicht nur für jene Zurückgelassenen oder Ausgegrenzten, die die historisch fatale Neigung haben, immer den Falschen zu wählen, sondern auch für das kulturelle Milieu, in dem ich mich bewege. 


Ein typisches Kampffeld ist das Verhältnis von Vergangenheit und Zukunft. Die glücklichen Gewinner der Globalisierung, die global class oder wie immer man sie nennt, scheint ihrem Wesen nach zukunftsorientiert, ja zukunftssüchtig zu sein – was sie übrigens auf merkwürdige Weise mit kulturkonservativen Wirtschaftseliten verbindet. Die Folge und Kehrseite ihres Triumphs über anscheinend alles ist Amnesie. Die global class ist geschichts- und gedächtnislos, das jedenfalls diagnostiziert der Kulturkritiker Guillaume Paoli. Sie neigt dazu, gewachsene kulturelle Werte und Welten geringzuschätzen oder zu diffamieren, und wer sich als Verteidiger von Überkommenem zu erkennen gibt, wird allzu leicht in die Nähe von Leuten gerückt, mit denen er nichts zu tun haben möchte. 


Das ist das eine. Zum anderen habe ich mich natürlich gefragt: Was habe ich anzubieten, das andere nicht besser, genauer, fundierter sagen könnten? Ich habe Mathematik studiert und könnte Ihnen etwas halbwegs Gesichertes über stetig differenzierbare Funktionen erzählen. Aber für welches Themengebiet qualifiziert mich meine Schriftstellerei? 


Dass ich mich dennoch auf diese Rede eingelassen habe, hat mit Zufall zu tun und, ja, mit Aberglauben. An dem Morgen, nachdem ich die E-Mail mit der Einladung zu dieser Rede bekommen hatte, hörte ich nämlich im Radio die erstaunliche Meldung, dass die deutsche Sprache in zweihundert bis dreihundert Jahren aussterben wird. Genauer gesagt, ich schnappte diese Nachricht im Vorübergehen auf, ganz unfreiwillig. Sie müssen wissen, dass ich morgens wenig gewillt bin, mich ablenken zu lassen. Ich will schnell zum Schreibtisch, mit noch blankem Bewusstsein. Also halte ich mich so kurz wie möglich in unserer Wohnküche auf, wo meine Liebste zur Aufmunterung gern Deutschlandfunk Kultur hört. Ich dagegen, preußisch-protestantisch, würge ein bisschen Guarana herunter, schnappe mir Müsli und Tee, verkrieche mich in die hinterste Ecke der Wohnung, setze mir ein Paar Ohrenschützer auf, mittlerer Dämmwert, und versuche mich zu konzentrieren. 


An diesem Morgen fiel es mir schwer. Hatte ich etwas missverstanden? Oder war ich wirklich dabei, einen Text zu verfassen in einer Sprache, die es in zweihundert oder dreihundert Jahren nicht mehr geben wird? Die Frage kann man mir als Eitelkeit auslegen. Erwarte ich etwa, dass ich in zweihundert oder dreihundert Jahren noch gelesen werde? Falls man in zweihundert oder dreihundert Jahren noch liest. 


Ich habe, schrecklicher Verstoß gegen die mir selbst auferlegte Arbeitsdisziplin, rasch im Netz nachgesehen: Büchner wurde vor zweihundertvier Jahren geboren. Schiller schrieb seine Räuber vor zweihundertsiebenunddreißig Jahren, Goethe seinen Werther vor zweihundertvierundvierzig. Wir lesen sie noch alle, und ich kann nicht sagen, dass sie auf mich besonders fern wirken. Sollte es möglich sein, fragte ich mich an diesem Morgen, dass die deutsche Literatur, einschließlich meines bescheidenen Werks, in zweihundert bis dreihundert Jahren als tote Bibliothek in den lichtgeschützten Kellern irgendeines Instituts herumstehen und, wie die Sprache der Yimas, nur noch für einzelne Experten entzifferbar sein würde? 


Mir fiel ein, dass meine Romane immerhin ins Englische übersetzt sind. Es bestand also die Hoffnung, dass auch der, an dem ich gerade arbeitete, irgendwann auf Englisch verfügbar sein würde. Das hätte mich motivieren sollen, aber stattdessen ertappte ich mich dabei, wie ich einzelne deutsche Ausdrücke aus meinem Text, der übrigens von meiner Großmutter handelt, in das Online-Wörterbuch Linguee eingab: 


Das schöne Wort «Zubrot»: extra income. 
Die leicht empathische Wendung «in etwas aufgehen»: to merge into something. 
Der Anzug, den man so lange trägt, bis er «abgetragen» ist: worn-out suit. 


Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich will die deutsche Sprache vor keine andere stellen. Und gewiss finden kluge Übersetzer treffendere Ausdrücke als ein Online-Wörterbuch. Dennoch glaube ich aus meiner eigenen Erfahrung als Übersetzer sagen zu können, dass der Reichtum jeder Sprache gerade in ihren Absonderlichkeiten, ihren Abweichungen, ihren unnachahmlichen Konstruktionen und Wendungen besteht; gerade in dem also, was sich schwer, mitunter auch nicht übersetzen lässt. 


Ich dachte an die Kinderlieder und Sprachspiele, die Mütter und Väter von ihren Müttern und Vätern erlernen, um sie an ihre Kinder weiterzugeben. Sollte die Kette wirklich abreißen – in weniger als zehn Generationen? Ich dachte an die Abzählreime, die – jedenfalls war das noch bis vor wenigen Jahren so – ohne das Zutun Erwachsener von Jahrgang zu Jahrgang weitervererbt werden: 
Eins, zwei, drei, vier Eckstein, alles muss versteckt sein. 
Kennen Sie den? Oder galt der nur im Raum Brandenburg? Und dann der wunderbare Grammatikfehler, der, wie ich irgendwann voller Rührung feststellte, wortgetreu mitvererbt worden war: 
Hinter mir und vorder mir gibt es nicht. Ich komme! 


Irgendwann war meine Konzentration vollständig dahin, und ich habe die Homepage des Deutschlandfunks aufgerufen. Tatsächlich stieß ich rasch auf das gesuchte Thema, das hier ausführlicher dargestellt war als in den Acht-Uhr-Nachrichten. Es handelte sich um die Wiedergabe eines Gesprächs mit dem Linguisten Wolfgang Klein, immerhin Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, ehemals Direktor des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen, also nicht gerade jemand, den man der Hysterie oder der politisch manipulativen Spekulationen verdächtigt. Tatsächlich endete das Gespräch mit folgenden Worten: 


«Von den 7000 Sprachen (die es auf der Welt gibt – E. R.) verschwinden immer mehr, weil die Sprecher entweder aussterben oder sich anderen Sprachen zuwenden. Das Deutsche hat schätzungsweise hundert Millionen Sprecher, da ist das nicht unmittelbar bedroht, aber es geht als internationale Sprache schon ganz, ganz deutlich zurück, und es würde mich nicht wundern, wenn das Deutsche in, sagen wir mal, zwei-, dreihundert Jahren eine ausgestorbene Sprache wäre.»


Das also war der Augenblick, da ich mich entschied, diese Rede zu halten. Wenn ich auch nach wie vor glaube, dass Schriftsteller nicht über alles und jedes sprechen müssen, war ich doch zumindest in diesem Augenblick überzeugt, dass ich als jemand, dessen Medium die deutsche Sprache ist, der damit arbeitet und davon lebt, berechtigt sei, darüber zu sprechen; dass man mir meine Sorge um diese Sprache vielleicht verzeihen würde, ohne mich zu verdächtigen, dass ich die «verlorenen Ostgebiete» zurückhaben will. 


An diese Stelle gehört vielleicht das Geständnis, dass meine eigenen Gutenachtgeschichten gar nicht aus dem Deutschen stammten. Es klingt, als würde ich hier die multiethnische Karte ausspielen, um mich vor falschen Verdächtigungen zu schützen, und beschämenderweise ist das ein durchaus willkommener Nebeneffekt. Aber ich muss das einfach sagen, bevor ich hier als Beschwörer oder Beschützer der deutschen Sprache auftrete: Deutsch ist für mich im Grunde eine Fremdsprache oder doch zumindest eine Zweitsprache, der Reihenfolge nach. Auch wenn ich inzwischen natürlich weitaus besser Deutsch spreche und in dieser Sprache auch schreibe: Die Sprache meiner Mutter war Russisch. Ich bin in Russland geboren, und auch wenn ich früh, nämlich im Alter von zwei Jahren, nach Deutschland kam und spätestens im Kindergarten anfing, Deutsch zu lernen (einschließlich des oben erwähnten Abzählreims), war es das Russische, was ich zuerst gehört und gesprochen habe. Das erste Lied, das meine Großmutter mir vorsang, war «Shyl byl u babuschki malenki koslik»; die Koseworte, mit denen meine Mutter mich bedachte, waren russisch – und vielleicht ist es gerade das, was mich hellhörig und empfindsam macht für die Art von Verlust, über die ich hier spreche. Ich habe die russischen Koseworte verloren. Und wenn ich sie hin und wieder, selten, von russischen Müttern höre, dann spüre ich den Verlust als kleinen Stich im Herzen. Das Russische ist ein Teil meiner Identität, und wenn ich nicht ohnehin wüsste, was Sprache mit Identität zu tun hat; wenn ich nicht ohnehin bei Zweisprachigen gesehen hätte, wie das Spektrum ihrer Persönlichkeit sich gewissermaßen ein Stück verschiebt, wenn sie die Sprache wechseln, dann wüsste ich es aus mir selbst: Es gibt in mir den kleinen russischen Jungen, und der sieht nicht nur auf den Fotos ein bisschen struppiger aus als das wohlfrisierte und ordentlich gekleidete Kind auf den ersten Bildern aus Deutschland – es gibt einen weiteren Unterschied: Er ist noch im Besitz der russischen Koseworte. 


Nachdem ich zugesagt hatte, diese Rede zu halten, wurde ich sogleich um einen Titel und eine kurze Inhaltsangabe gebeten. Allerdings wusste ich überhaupt nicht, was ich sagen würde. Jede Inhaltsangabe war ein kaum zu kalkulierendes Risiko, denn ich war keineswegs sicher, wo und wie diese Rede enden würde. Immerhin glaubte ich relativ schnell zu wissen, wo und wie sie beginnen würde, nämlich mit jenem Morgen, an dem ich am Schreibtisch saß und, anstatt zu arbeiten, Begriffe ins Deutsch-Englische Wörterbuch eingab. Die Nachricht vom bevorstehenden Untergang der deutschen Sprache hatte sich, ohne dass ich darüber nachgedacht hätte, verbunden mit dem Unbehagen am Überhandnehmen des Englischen in unserem Sprachraum. Natürlich kenne ich dieses Unbehagen seit langem. Oft habe ich mich schon über Anglizismen mokiert. Allerdings kamen mir meine Beschwerden manchmal auch ein wenig altbacken vor. Ich verdächtigte mich insgeheim der Befangenheit, denn natürlich habe ich immer das Gefühl, nicht gut genug Englisch zu sprechen. Natürlich bin ich ein bisschen neidisch auf die jungen Leute, die ihr Englisch irgendwie im Schlaf zu lernen scheinen. Und natürlich befürchte ich klammheimlich, dass ich allmählich zu jenem Ungeheuer mutiere, für das die Kämpfer für Frieden und Toleranz jene niederschmetternde Bezeichnung bereithalten: weißer alter Mann. – Zumal drei Dinge beim besten Willen weder abzustreiten, noch zu ändern sind: Ich bin ein Mann. Ich bin weiß. Und, ja, ich werde allmählich älter. 


Ist es ein Anzeichen von Rassismus und Alterssturheit, wenn man anfängt, darüber die Nase zu rümpfen, dass in bestimmten Berliner Szenebezirken immer mehr Restaurants auftauchen, wo es noch nicht einmal eine deutschsprachige Speisekarte gibt? Oder liegt hier ein Symptom vor, mit dem es sich zu beschäftigen lohnt? Auch in den Theatern der Hauptstadt spricht man ja inzwischen viel Englisch. Kürzlich, nachdem ich schon angefangen hatte, an dieser Rede zu schreiben, ist es mir passiert, dass ich in einem großen Berliner Theater eine Eintrittskarte kaufte, um hinterher festzustellen, dass das Stück (ein Repertoirestück, kein Gastspiel) komplett auf Englisch gespielt wird – mit Simultanübersetzung per Kopfhörer. Zum Glück reichte mein Englisch aus, um das – übrigens ausgezeichnete – Stück bis in seine Einzelheiten auch ohne Kopfhörer zu verfolgen, was ich hier zugegebenermaßen mit Stolz anmerke. Sprachen zu können ist eine wunderbare Sache. Englisch zu sprechen ist ein Zeichen von Zugehörigkeit. 


Wenige Tage später wurde ich zur Uraufführung eines kleinen Dokumentarfilms über eine Gruppe von Migranten in Deutschland eingeladen. Die Protagonisten sprachen zumeist Arabisch, was im Film dann englisch untertitelt worden war: «for the sake of competitiveness», wie der Leiter der Berliner Kultureinrichtung, in der die Premiere stattfand, in seiner auf englisch gehaltenen Einleitungsrede erklärte: aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit. Wäre der Film andernfalls, habe ich mich gefragt, vielleicht geeignet gewesen, Menschen, nicht gerade Nazis, aber doch solchen, die durch die massenhafte Migration beunruhigt sind, etwas vom Schicksal dieser bei uns Gestrandeten zu erzählen? Sie zu überzeugen, dass es Fälle von Not gibt, in denen wir zu helfen verpflichtet sind? Die – selbstverständlich Englisch sprechende – Gemeinschaft des Premierenpublikums musste davon nicht überzeugt werden. 


Noch ein Beispiel. In Zeiten der Gentrifizierung ist man geneigt, sich zu dafür entschuldigen, dass man in Prenzlauer Berg eine Wohnung besitzt. Vielleicht wirkt es strafmildernd, dass wir die einzigen ostdeutschen Wohnungsbesitzer in unserem Haus mit über dreißig sogenannten Wohneinheiten sind. Erwähnt werden muss diese Wohnung hier wegen einer Eigentümerversammlung, die, Sie ahnen es, auf Englisch stattfand. Sie kennen die Situation: Es genügt eine einzige Person am Tisch, die nicht Deutsch spricht, damit alle anderen auf Englisch umschalten. Gut, dass es diese Möglichkeit gibt. Interessant an dem Fall ist allerdings, dass die Person, derentwegen der Sprachwechsel stattfand, seit über sechs Jahren in Deutschland lebt und eine naturwissenschaftliche Professur an einer bedeutenden deutschen Universität innehat. Sie werden vielleicht sagen, dass Beispiele nichts beweisen, aber da irren Sie sich. Dieses Beispiel beweist, dass es möglich ist, in Deutschland zu leben und zu arbeiten, ohne die deutsche Sprache zu sprechen. Deutsche Großunternehmen führen Englisch längst als Verkehrssprache ein; selbst der Geschäftsführer einer Kuchen- und Keksfabrik berichtete mir kürzlich, dass man anfängt, interne Veranstaltungen auf Englisch durchzuführen. Die Belegschaften kleinerer, neugegründeter Unternehmen, die um die Mittagszeit in kleinen Grüppchen durch Prenzlauer Berg ziehen, sprechen untereinander fast immer Englisch. Selbst deutsche Germanisten beginnen inzwischen, Texte über die deutsche Sprache auf Englisch zu verfassen: «for the sake of competitiveness». 


Bei technischen Neuerungen wird schon seit langem nicht mehr versucht, deutsche Ausdrücke zu finden, im Gegenteil, das Englische wird gesucht. Der Airbag ist eine Erfindung von Daimler. Es ist klar, dass technische Neuerungen in unserer Welt einen immer größeren Raum einnehmen werden. Allerdings beschränkt sich die Anglisierung der Produktpalette keineswegs auf die Technik. Vor vielleicht dreißig Jahren formulierte Peter Sloterdijk das schöne Bonmot: «Deutsch ist eine Sprache zum Bestellen von Socken aus Taiwan.» Das war klug und witzig und bedarf wohl keines Kommentars. Aber gehen Sie heute in die Sockenabteilung von Galeria Kaufhof, ich war gerade dort, und schauen Sie, wie die einzelnen Socken – socks – heißen: «cotton touch», «pure matt», «cosy wool» oder «active breeze» (nicht «breathe»), was etwa bedeuten würde: «aktive Brise» ... 


Heute finden Sie noch einen deutschen Eintrag auf dem Waschzettel. Morgen werden Sie des Englischen bedürfen, um eine Baumwollsocke von einer Schafwollsocke zu unterscheiden. Wird man übermorgen in Deutschland noch leben können, ohne Englisch zu sprechen? 


Ich erlaube mir, kurz auf die Gegenargumente einzugehen, die an dieser Stelle genannt werden, ich kenne sie inzwischen. Selbstverständlich ist es hoffnungslos und sogar dumm, die Reinheit oder Ursprünglichkeit einer Sprache bewahren oder verteidigen zu wollen. Um das zu verstehen, genügt es, einmal die Straßburger Eide zu lesen, man findet sie leicht im Internet. Diese Eide sind das erste Dokument der sprachlichen Teilung des Frankenreiches in eine deutsche und eine französische Seite. Sie markieren sozusagen den Geburtstag der deutschen und zugleich der französischen Sprache. Das war anno 842, am 14. Februar übrigens, also vor gut 1176 Jahren. Eine relativ kurze Zeit, wenn wir die Dreihundert-Jahr-Marke vor Augen haben. Und wenn Sie die deutsche Variante der Straßburger Eide lesen, werden Sie feststellen, dass Sie nichts verstehen. 


Sprachen ändern sich. Sprachen bereichern einander. Schon immer, seit ihrem Bestehen, war die deutsche Sprache dem Einfluss anderer Sprachen ausgesetzt. Ich würde noch weiter gehen: Sie ist im Grunde entstanden aus dem Zusammenfließen, ja aus dem Zusammenprall des Lateinischen mit den großen germanischen Dialekten. Dabei sind nicht nur Tausende Lehnwörter aus der hochentwickelten Nachbarkultur in den germanischen Raum eingeströmt. Neue soziale und kulturelle Normen haben sich im Wort niedergeschlagen. Selbst der Klang der Sprache wurde geprägt von Anpassung an und Widerstand gegen das lateinische Alphabet, das im Grunde ungeeignet war, die germanischen Reibe- und Umlaute abzubilden. Zu alledem kommt das Bemühen der germanischen Herrscher, den neuen, den rechten Glauben, zu dem sie selbst konvertiert waren, in der Sprache des Volkes – thiudisk heißt nichts anderes als «nach Art des Volkes» – zu verbreiten, und es ist vielleicht nicht übertrieben zu sagen, dass dieser Jahrhunderte währende Versuch, die Vorstellungs- und Gedankenwelt des Christentums in die sogenannte heidnische Sprache und Kultur zu übertragen, die verschiedenen germanischen Dialekte letztlich zu jener Hochsprache vereint hat, die wir Deutsch nennen, und wenn ich Sie mit diesem kleinen Ausflug in die Sprachgeschichte gelangweilt haben sollte, sehen Sie es mir bitte nach, aber glauben Sie mir, dass ich ein halbwegs klares Bewusstsein vom Wandel der Sprache habe.  


Nur spreche ich hier nicht vom Wandel, sondern vom Aussterben – ein Phänomen, das allerdings ebenso real ist wie der Wandel. Achtzig Prozent aller – noch – existierenden Sprachen sind bedroht, sagen die Linguisten. Und etwa jede Woche stirbt eine. 
Übrigens wimmelt es auch im Russischen von englischen Lehnwörtern. Kürzlich bin ich mit meinem russischen Verleger eine Petersburger Geschäftsstraße entlanggefahren. Da dort fast immer Stau herrscht, fuhren wir im Schritttempo und hatten viel Zeit, auf die Beschriftung und Werbung an den Geschäften zu achten. Sie werden es nicht glauben, es gab fast kein «ursprünglich» russisches Wort. «Magazin», «Parikmacher», «Rjuksak», das Russische ist durchsetzt vom Niederländischen, Deutschen und Französischen, und in neuester Zeit kommt noch das Englische dazu – und spätestens jetzt müsste man präzisieren: das Amerikanische oder, noch genauer, das US-Amerikanische, denn in Wirklichkeit haben wir es damit zu tun. Und ganz Russland, politisch und medial ja als eine Art direktes Gegenbild zu westlichen Werten stilisiert, in Wirklichkeit aber fasziniert von den Vereinigten Staaten, bildet mühsam in kyrillischen Buchstaben Wörter nach wie «Timing», «Racing» und «Business Lunch». 


Warum mache ich mir keine Sorgen um das Russische? Weil es nicht darum geht, wie viele Wörter eine Sprache sich einverleibt – auch wenn so eine Invasion groteske Formen annehmen kann, wenn sie gewachsenes Wortmaterial verdrängt und sogar sprachtypische Wendungen und Besonderheiten zunichte macht. All das kann eine Sprache irgendwie überleben. Es ist auch nicht die von manchen befürchtete Abschaffung des deutschen Volkes, die unsere Sprache bedroht. Sprache ist keine Frage von Genen. Deutsch stirbt nicht aus, weil die Deutschen aussterben, eher umgekehrt. Denn was soll ein Deutscher anderes sein als jemand, der Deutsch als seine Sprache – oder doch als eine seiner Sprachen – ansieht? Ich wüsste in einer Welt, in der immer mehr Menschen eine multiethnische Herkunft haben, keine andere Antwort. 


Übrigens geht es auch nicht eigentlich um das Aussterben. Die deutsche Sprache ist, etwa im Hinblick auf den Wortschatz, reicher als je zuvor, wie der letzte Bericht über ihren Zustand beweist. Wenn eine Sprache tatsächlich außer Gebrauch gerät, sagt der Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein, dann liegt das so gut wie nie daran, dass die Bevölkerung ausstirbt, sondern daran, dass sie von den Sprechern als weniger nützlich und daher als entbehrlich angesehen wird; deshalb wird sie aufgegeben. Fragen wir also: Gibt es eine Tendenz bei den Deutschen, ihre Sprache als weniger nützlich anzusehen? Als ökonomisch weniger brauchbar? Als weniger geeignet für den globalen Wettbewerb? 


Alexander Graf Lambsdorff erklärte 2014 in einem Beitrag für die Welt den Zusammenhang zwischen Sprache und Ökonomie. Lambsdorff war bis vor kurzem Vizepräsident des Europäischen Parlaments, heute ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP. Nun kann man fragen: Was kümmert uns die Meinung des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden einer Knapp-über-fünf-Prozent-Partei? Täuschen Sie sich nicht! Die FDP ist vielleicht eine kleine Partei – aber ihr Geist dominiert seit langem die wirtschaftlichen, politischen und – unterschwellig – auch die kulturellen Prozesse nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Privatisierung, Deregulierung und Freihandel sind neoliberale Konzepte, und keine Bankenkrise, keine Jugendarbeitslosigkeit und kein vom Steuerzahler zu finanzierender Rettungsschirm hat diese Konzepte bisher erschüttert. Zudem hat Alexander Graf Lambsdorff mit allem, was er über die Zuwanderung zu sagen hat, recht – zumindest was die sogenannte «beschäftigungsorientierte» Zuwanderung betrifft. Denn Lambsdorff spricht in seinem Artikel wohlgemerkt nicht über Asylsuchende, sondern über Fachkräfte; es geht ihm nicht um Nächstenliebe, sondern um unser Wohlstandsniveau. Ihn interessiert nicht, ob oder wie die Länder, in denen die Fachkräfte ausgebildet wurden, ohne dieselben auskommen, ihn interessieren einzig die sechs Millionen Fachkräfte, die bei uns bis zum Jahr 2025 fehlen. Der Grund für diese Fehlstelle ist klar, so Lambsdorff: die Sprache. «Die Mehrzahl hochqualifizierter Fachkräfte», und das alles zitiere ich wörtlich, «spricht Englisch, nicht Deutsch. Deshalb muss Englisch in Deutschland Verwaltungssprache werden, mittelfristig vielleicht sogar Amtssprache. Englisch ist heute Lingua franca, die globale Verkehrssprache. Sie wird in Europa, Asien und Lateinamerika flächendeckend unterrichtet. Schon deshalb ist sie die praktikabelste Lösung.» Alles folgerichtig. Was kann man dagegen einwenden? 


Fast noch weiter geht Günther Oettinger, eine Zeitlang EU-Kommissar für Digitalisierung und Wirtschaft, heute EU-Kommissar für Haushalt und Personal. Er formulierte schon 2005 in einem Fernsehfilm von Harald Woetzel, was er von der ökonomischen Brauchbarkeit der deutschen Sprache hält, nämlich nichts. Die zukünftige «Arbeitssprache» (ein Begriff von Oettinger) in Deutschland werde Englisch sein. Er gewährt der deutschen Sprache immerhin eine Art Gnadenbrot. Originalton Oettinger: «Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest, aber – Englisch wird die Arbeitssprache.» Mit großem Recht fragt der Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant: Wenn Englisch die Arbeitssprache ist – warum sollen Migranten dann Deutsch lernen? Eine Familiensprache haben sie schon, sie brauchen keine zweite.  


Schon heute sind Englischkenntnisse ein Distinktionsmerkmal. Schon heute kann kein Akademiker ohne Englisch auskommen – und Akademiker gibt es, wie wir wissen, immer mehr. Schon heute ist Englisch eine Tür zum Arbeitsmarkt, eine Eintrittskarte in die Gesellschaft. Wer kein Englisch kann, ist mit einem Makel behaftet; er ist, wenn nicht heute, dann morgen, ein Sonderling mit Tendenz zum geistigen Prekariat – was übrigens einer von vielen Gründen dafür sein mag, dass viele Ostdeutsche sich abgehängt oder ausgeschlossen fühlen, auch wenn sie materiell nicht prekär gestellt sind: Sie sprechen nicht – oder nicht ausreichend – Englisch. 


Und je wichtiger das Englische wird, desto mehr gerät das Deutsche unter Druck, und desto mächtiger wird wiederum das Englische. Es ist ein Prozess, der sich selbst beschleunigt, eine Kettenreaktion. Wenn Sie in einer staatlichen Institution anweisen, dass alle E-Mails in zwei Sprachen geschrieben werden, werden sie selbstverständlich bald nur noch in Englisch geschrieben. Wenn wir heute Englischunterricht ab der ersten Klasse einführen, dann werden ehrgeizige Eltern ihre Kinder schon im Kindergarten Englisch lernen lassen. Und Kinder von Eltern, die selbst schon im Kindergarten Englisch gelernt haben, werden anfangen, mit ihren Kindern zu Hause Englisch zu sprechen, um die Chancen der nachfolgenden Generation im ökonomischen Wettbewerb zu erhöhen. 


Glauben Sie wirklich, dass es noch dreihundert Jahre dauern wird, bis das Deutsche ausstirbt? 


Wer noch immer über den Titel dieser Rede lächelt, dem ist – was erlaubt wäre – die deutsche Sprache gleichgültig. Diese Gleichgültigkeit kann verschiedene Färbungen haben. Mein Freund D., der Astrophysiker, hebelt meine Sorgen und Argumente stets damit aus, dass der Untergang der Menschheit ja auch keine Katastrophe sei – eine mögliche Sichtweise. Womöglich sind Sie aber, ganz im Gegenteil, der Meinung, dass es zurzeit dringlichere Probleme gebe als die deutsche Sprache. Auch das wäre berechtigt. Erdoğan, Putin, Trump. Vielleicht noch wichtiger: Das letzte Jahr war für die Rückversicherer das bisher teuerste der Geschichte. Ja, man müsste sprechen über Klimawandel. Und über Freihandel. Und darüber, was beides miteinander zu tun hat. Gerade habe ich in einer ADAC-Zeitschrift gelesen, dass der LKW-Verkehr in Deutschland zwischen 2013 und 2030 um vierzig Prozent zunehmen wird. Man müsste darüber sprechen, was unser Wohlstand mit der Näherin in Äthiopien zu tun hat, die glücklich ist, wenn sie einen Dollar am Tag verdient. Oder auch über die Menschen hier bei uns, die ihre Miete nicht mehr bezahlen können. Oder, um auch mal etwas Erfreuliches zu sagen, über die unscheinbare Meldung vom 29. November letzten Jahres, dass die Bundesregierung ganz gegen die Haltung der Welthandelsorganisation und gegen den Geist des Freihandels darüber nachdenkt, afrikanischen Ländern die Erhebung von Zöllen zu gestatten, um ihre Wirtschaft zu schützen. Eine Absicht, die Beifall verdient. 


Schließlich bleibt noch die Möglichkeit, dass Sie die deutsche Sprache einfach nicht mögen. Die gebellte Sprache, wie Jürgen Trabant sie nennt. So jedenfalls erscheint sie mit Vorliebe in amerikanischen Filmen, in denen Nazis auftreten. Denn Deutsch ist, ob man will oder nicht, die Sprache Hitlers und Eichmanns. Die Sprache der Bürokraten des Todes. Es fällt angesichts der Verbrechen, die die Nazis begangen haben, nicht leicht, von den Schäden zu sprechen, die sie der deutschen Sprache zugefügt haben. Manche davon sind irreparabel. Victor Klemperer hat absolut recht, wenn er sagt: «Man sollte viele Worte des nazistischen Sprachgebrauchs für lange Zeit, und einige für immer, ins Massengrab legen.» Es gibt vergiftete Wörter, und wer behauptet, man könne ein – formal durchaus korrektes – Wort wie «völkisch» benutzen, ohne damit das Gift anzurühren, das in ihm steckt, der irrt sich im besten Fall; im schlechtesten lügt er – oder sie. 


Heißt das aber, dass wir die deutsche Sprache den Nazis überlassen? Dass wir diese geschändete Sprache liegenlassen, nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen? Dass wir uns aus der Verantwortung schleichen wie aus einer peinlichen Situation, in der wir nicht angetroffen werden wollen? Hat Klemperer das gemeint? 


Es gibt einen Vorwurf aus aufgeklärten westlichen Kreisen an die Regierenden, aber auch an die Regierten der DDR. Ich will diesen Vorwurf hier nicht diskutieren, muss aber vorab sagen, dass ich ihn nicht teile. Der Vorwurf lautet, im Osten habe keine wirkliche Aufarbeitung des Nazismus stattgefunden. Man habe sich hinter der Maske eines quasi importierten Antifaschismus versteckt. Anstatt seinen Teil der Schuld zu tragen, habe man sich auf diese Weise aus der Verantwortung geschlichen. Könnte es sein, dass diejenigen, die diesen Vorwurf formulieren, die eigene psychische Disposition projizieren? Es ist verständlich, dass die Töchter und Söhne der Nazis auf die faschistische Vergangenheit ihrer Eltern mit Abneigung gegen das Deutsche reagierten. Ebenso verständlich ist es, dass die aufklärerischen und antifaschistischen Eliten Westdeutschlands sich nach Amerika hin orientierten, genauer: nach den USA. Die USA waren als Befreier in den westlichen Teil Deutschlands gekommen. Sie hatten ein funktionierendes Demokratiemodell anzubieten. Sie brachten das Wirtschaftswunder und den Jazz. Aus den USA kamen die Beatniks, die Anti-Vietnamkriegs-Bewegung, das Sit-in, die Popkultur und die Mondrakete, und so könnte man die Liste bis zum Personal Computer und zum Smartphone fortsetzen – alles verständliche Gründe dafür, dass man sich von Amerika angezogen fühlt.  


Weniger leicht verständlich ist, wieso die Schattenseiten der Supermacht die Verehrung für die amerikanische Kultur und Sprache über all die Jahre kaum minderten. Dass die USA bis in die Sechziger hinein ein rassistisches Land waren (und vielleicht heute noch sind), hat die Bewunderer und Nachahmer ebenso wenig abgeschreckt wie die Tatsache, dass die USA nach 1945 zur kriegerischsten aller Nationen mutierten. Wikipedia zählt fünfundfünfzig Kriege und militärische Operationen, an denen die USA seitdem beteiligt waren, etliche davon ohne UN-Mandat. Dabei sind verdeckte Aktionen gar nicht mitgerechnet, wie etwa die heimliche Unterstützung Pinochets, dessen Schergen dem Sänger und Gitarristen Victor Jara die Hände brachen, bevor sie ihn ermordeten. Der Drohnenkrieg hat im Laufe der Jahre Zigtausende Menschen das Leben gekostet. Ganz zu schweigen von den «richtigen» Kriegen, den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki oder vom Einsatz von Agent Orange im Vietnamkrieg, dessen Anlass übrigens genauso erlogen war wie der für den Krieg im Irak. Und selbst Donald Trump, der ja in Wirklichkeit vielleicht gar nicht so unamerikanisch ist, wie wir glauben – selbst Trump wird die Welt und insbesondere die Deutschen nicht davon abhalten, die amerikanische Kultur, den amerikanischen Lebensstil und die amerikanische Sprache zu lieben – sogar dann nicht, wenn Amerika im Begriff sein sollte, seine traditionelle Vormachtstellung in der Welt zu verlieren. Auch der Einfluss Roms hat, wie die Geschichte zeigt, noch Jahrhunderte nachgewirkt. 


Schon der Name des neuen europäischen Verbundes, der Martin Schulz – und nicht nur ihm – vorschwebt, ist eine Reminiszenz an die USA: Vereinigte Staaten von Europa. Wird man in diesen neuen Vereinigten Staaten, egal ob es sie nominell oder nur faktisch geben sollte, «Europäisch» sprechen? Es gibt diese Sprache nicht. Man kann mehrsprachig sein, man kann multilinguale Gedichte schreiben. Aber es gibt kein Europäisch. Europa besteht aus Nationen. Die europäische Kultur ist geprägt durch ihre Vielstimmigkeit und ihre Vielfalt, genau deswegen lieben wir sie. Und genau deswegen, machen wir uns nichts vor, ist sie ökonomisch im Nachteil. Wenn Binnenmarkt und Euro im Wettbewerb gegen die ökonomischen Riesen im Osten und Westen tatsächlich ohne Alternative sind, wie die deutsche Kanzlerin sagt, und die sollte es wissen, dann braucht Europa eine Lingua franca, und die wird Englisch sein. 


Ich weiß nicht, wie die Spanier und die Franzosen damit umgehen werden, die ja immer noch, wenn auch aufgrund ihrer kolonialen Geschichte, Weltsprachen sprechen. Ich habe keine Ahnung, ob die Italiener ihre Sprache irgendwann aufgeben werden. Ich spreche hier nicht über Rumänen, Tschechen oder Esten. Ich spreche hier über die Deutschen und ihre Sprache – die sie nicht lieben.  


Vielleicht ist das der passende Moment, um ein paar Worte über eine Angelegenheit zu sagen, bei der die Menschen inzwischen müde abwinken, obwohl ihre Konsequenzen dauerhafter und schwerwiegender sind als etwa die lächerlichen Verzögerungen beim Bau des Berliner Flughafens. Ich will hier keineswegs einzelne Streitfälle verhandeln. Für mich ist die Rechtschreibreform ein Zeichen. – Wofür? Ich sehe ab von der Frage, ob die Rechtschreibung überhaupt ein Objekt gewaltsamer Reformen ist und nicht vielmehr der stetigen, behutsamen Anpassung bedarf. Dass die Rechtschreibung einer lebendigen Sprache ständig angepasst werden muss, ist beinahe überflüssig zu sagen. Allerdings begründet Klaus Heller die Rechtschreibreform ein wenig anders, zumindest setzt er andere Prioritäten. Nun werden einige fragen: Wer ist Klaus Heller? Bei Wikipedia gibt es drei Zeilen über ihn, die im Wesentlichen die Mitteilung enthalten, dass er Mitglied der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung gewesen sei. Des Weiteren erfährt man, dass Klaus Heller vor zweiundfünfzig Jahren sogar ein Buch geschrieben hat. Als das erste neue Rechtschreibwörterbuch erschien, war es jedoch dieser Klaus Heller, der das Geleitwort dafür lieferte. Im übrigen stammte dieses Rechtschreibwörterbuch von Bertelsmann. Es erschien, man höre und staune, am Tag der Unterzeichnung des Abkommens zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung – während der bis dahin allmächtige Duden erst einige Wochen später erschien und die Formel «Maßgeblich in allen Zweifelsfällen» von seinem Einband entfernte. Dass der Duden beim Riesengeschäft Rechtschreibreform am Ende dennoch die Nase vorn hat, steht auf einem anderen Blatt. 


Klaus Heller also, einer jener Auserwählten, die die deutsche Schriftsprache einschneidend und unwiderruflich verändert haben, begründet die Notwendigkeit der Rechtschreibreform in seinem kurzen Geleitwort, aber noch deutlicher im Sprachbericht des Instituts für Deutsche Sprache an erster Stelle damit, dass den Lernenden die Handhabung der deutschen Orthographie erleichtert werden soll. Ein seltsamer Ansatz. Wollen wir die Mathematik reformieren, weil sie zu schwer ist? Oder die Naturgesetze ein bisschen vereinfachen? Vor einem halben Jahrhundert hat Michel Foucault in einzigartiger Weise die Schönschrift als eine Quelle von Repression identifiziert: Schnee von gestern. Heute beginnt man längst, den Schülern das Erlernen der Handschrift überhaupt zu ersparen. Die Kinder meiner schwedischen Freunde durften sich eine Schule aussuchen, in der nur noch auf dem Tablet herumgetippt wird. Ich will hier nicht noch einen Diskurs über Sinn und Unsinn der Digitalisierung aufmachen. Nur eine Frage: Ist es denn der Zweck der Schule, uns das Schwierige zu ersparen?  


In einem Film von Werner Herzog über das Internet interviewt der Regisseur zwei Gehirnforscher, die mit glänzenden Augen davon träumen, dass man sich eines Tage ohne Worte verstehen wird, nämlich mit einer Art direkter Gehirn-zu-Gehirn-Schaltung. Was für eine Verheißung! Anstatt abendlicher Diskussionen bei einem Glas Wein bleibt man zu Hause und schließt eben mal sein Gehirn an. Kein Smalltalk, kein Theater, keine komplizierten Romane. Selbst das schwierige Unterfangen des Flirts könnte man sich endgültig ersparen, indem man das Einverständnis des oder der jeweils Begehrten über eine kurze Gehirnschaltung klärt. 


Ja, Sprache ist ein schwieriges Feld. Machen Sie folgenden Test: Stellen Sie sich vor, auf einer Seite wären alle Buchstaben systematisch durch andere Zeichen ersetzt, also beispielsweise a durch ß und b durch Gedankenstrich. Eine solche Seite sähe aus wie die Computerbildschirme, die Sie vielleicht aus Filmen über Hacker kennen. Machen Sie sich bewusst, dass Sie lesend ständig dabei sind, solche Zeichenfolgen zu entziffern, und mehr noch: Sie dekodieren Buchstaben, Sie formen aus diesen Buchstaben Worte, Sie bringen sie in einen Zusammenhang und lassen daraus Bilder und Vorgänge entstehen. Wollen wir das den Schülern lieber ersparen? Wollen wir aus der Tatsache, dass sich die Zahl der Leser von Belletristik zwischen 2007 und 2015 halbiert hat, schließen, dass wir unsere Kinder lieber nicht weiter mit Literatur quälen sollten? 


Tatsächlich ist die Getrennt- und Zusammenschreibung im Deutschen schwer zu erlernen. Und hier liegen zugleich die schönsten und interessantesten Ausdrucksmöglichkeiten. Es ist ein Unterschied zwischen zusammen tun und zusammentun. Zwar hatte die Reform nicht die Absicht, diese Ausdrucksmöglichkeit gänzlich zu vernichten; obendrein wurden einige Regelungen auf den Protest von Schriftstellern hin durch die Kommission, der übrigens kein einziger Schriftsteller angehörte, wieder zurückgenommen – jedoch zu spät. Unmittelbar nach der Reform schrieb die Deutsche Bahn auf ihre Automaten: Fahrkarten Deutschland weit – drei Wörter. Noch immer schreibt man auf den Bahnseiten getrennt, ohne Bindestrich: Sparpreis Aktion. Viele Menschen sind dazu übergegangen, sicherheitshalber alles getrennt zu schreiben. Kaum eine Speisekarte oder Internetanzeige, auf der man nicht fehlerhafte Getrenntschreibungen findet. Und ich gebe zu, dass es mir auch selbst schwerfällt, mich im Wirrwarr der Rechtschreibungen – Mehrzahl, weil sich einzelne Zeitungen für durchaus vernünftige Mischformen entschieden haben – zurechtzufinden. 


Die Rechtschreibreform bedroht nicht die deutsche Sprache. Aber sie ist ein Symptom, und zwar dafür, dass die Deutschen ihre Sprache nicht lieben. Ich kann mich irren, aber ich glaube nicht, dass etwas Ähnliches wie diese Reform in Frankreich oder in Russland möglich wäre. 


Zum Schluss ein Wort zu einem Thema, das vielleicht noch abgedroschener ist als die Rechtschreibreform, an dem man aber in so einer Rede leider nicht vorbeikommt. Pflichtbewusst schicke ich voraus, dass für mich selbstverständlich nicht der geringste Zweifel daran besteht, dass jeder Mensch unabhängig von seinem Geschlecht oder seiner sexuellen Ausrichtung dieselben Rechte haben muss. Man kann das Gender-Mainstreaming nennen. Ich persönlich käme mit dem Wort Gleichberechtigung aus, was übrigens durchaus Ungleichbehandlung einschließen darf, wenn man beispielsweise Frauen aufgrund der historisch gewachsenen Schieflage besonders fördert oder Quoten einführt – ohne dass man aus jeder statistischen Schieflage gleich eine Täter-Opfer-Geschichte machen muss. Auf jeden Fall geht es zuallererst um reale Änderungen, die naturgemäß Änderungen in den Beziehungen zwischen den Menschen nach sich ziehen, welche sich wiederum in der Sprache niederschlagen, was bedeutet, dass sich sowohl der sachliche als auch der emotionale Inhalt von Wörtern wandelt. Dieser Inhalt steckt nicht in den Buchstaben, noch nicht einmal in der Herkunft. Das russische Wort Nemjez – Deutscher – hat den abfälligen Beigeschmack von «taubstumm» schon lange verloren. Ein Wort wie «schwul», das vor dreißig, vierzig Jahren herablassend klang, weil die Haltung zu den Betroffenen herablassend war, ist heute tagesschautauglich. Das heißt nicht, dass man alle Wörter benutzen soll. Es gibt eindeutig verletzende Wörter. Es gibt Wörter, die für immer vergiftet sind. Ein sorgsamer Umgang mit der Sprache tut not. 


Aber zeugt ein Wort wie zum Beispiel Studierende von einem sorgsamen Umgang mit der Sprache? Max Goldt hat sich zu Recht darüber lustig gemacht: Essende Studierende! Schlafende Studierende! ... Wie kann man gleichzeitig schlafen und studieren? Ähnlich absurd ist das Beispiel einer Politikerin, die ganz am Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise in einem Radiointerview von Flüchtlingen und Flüchtlinginnen zu stottern anfing; auch das habe ich nur im Vorübergehen am Morgen gehört und kann keinen Namen nennen. Die Ärmste wusste offenbar noch nicht, dass ihr Bemühen um Korrektheit vergeblich war, weil nämlich Wörter mit «ling» ohnehin abwertende Bezeichnungen darstellen, wie ein besonders korrekter Germanist mit Professur in Amerika mir erklärte. Beispiele? Häuptling, Lehrling, Frühling, Liebling oder Säugling, um nur fünf von vielen zu nennen, die mir einfielen. Ich bin gespannt, wann der Säugling Saugender heißt. Es ist ja offensichtlich, dass sich eine Saugende durch die Bezeichnung „der Säugling“ diskriminiert fühlen muss. – Das Gerundium als geschlechtsneutrale Dauerlösung im Kampf gegen die ling-Wörter. 


Ganz besonders «Bewusste», wie das in der DDR hieß, sprechen neuerdings sogar von stark Pigmentierten. Dabei hatte Malcolm X, soweit mir bekannt ist, lediglich vor, das aus dem Spanischen kommende Wort negro durch das englische black zu ersetzen, und zwar, weil das Wort negro durch die ja in der Tat grauenhafte Geschichte der Sklaverei und Unterdrückung belastet sei. So begann es in den sechziger Jahren, und obwohl Martin Luther King, der das Wort negro in seiner berühmtesten Rede 1963 nicht weniger als fünfzehn Mal unbefangen verwendete, offenbar anderer Auffassung war, mag die Setzung von Malcolm X als entschlossene Geste des Neuanfangs ihre Berechtigung haben. Dass diese Sprachregelung sich tatsächlich durchsetzte, wurde, so glaube ich, begünstigt durch eine philosophische Strömung, die sehr unscharf mit dem Begriff Poststrukturalismus umrissen ist. Denker wie Foucault oder Derrida haben, sehr verkürzt ausgedrückt, versucht zu verstehen, welche Rolle Denken und Sprache, beides kaum voneinander zu trennen, bei der Ausbildung von Wirklichkeitsvorstellungen spielen. Das Verrückte dabei ist Folgendes: Der Poststrukturalismus war zweifellos ein Befreiungsschlag, ein Angriff auf den totalitären Wahrheitsanspruch traditioneller Wissenssysteme, eine Hinwendung zum Einzelnen und Besonderen, zu Vielfalt und Fragmentarität. Es wäre ein trauriges Déjà-vu, wenn diese Revolution nun, da sie nicht nur die Akademien, sondern auch die Theater, die Kunsthallen, die Politik erreicht hat, in die Phase der Restauration einträte; wenn die ersehnte Freiheit sich in ein Gefängnis verwandelte: ein Gefängnis der Sprache. 


Wollen wir wirklich damit anfangen, genauer gesagt, damit weitermachen, die Bücher der Vergangenheit in Orwellʼscher Manier umzuschreiben? Heute ist es der Negerkönig bei Astrid Lindgren, morgen der Zigeuner bei Gabriel García Márquez. Was kommt übermorgen? Schon gibt es Internet-Kampagnen, die sich dafür einsetzen, dass bestimmte anzügliche Bilder im Metropolitan Museum of Modern Art abgehängt werden. Wird man Márquez auf den Index setzen, weil er einer Prostituierten «Hundetitten» andichtet? Wird man den schon einmal verbotenen Wassili Grossman verbieten, weil er den Krieg in seiner ganzen Brutalität darstellt? Und, verzeihen Sie, dass ich mich das natürlich auch frage: Wird man meinen Roman Follower irgendwann aus den Regalen der Bibliotheken entfernen, weil er sich über die oberflächliche Moral in der schönen digitalen Zukunft, die eigentlich schon Gegenwart ist, ein wenig lustig macht? 


Den stalinistischen Prozessen in den Dreißigerjahren gingen die sogenannten Parteisäuberungen voraus. Auch damals wurden Bücher nachträglich umgeschrieben. Auch die Nazis schwafelten ständig von einem neuen, einem sauberen Deutschland. Uns drohen keine neuen Moskauer Prozesse und, so hoffe ich, kein neuer Nazismus. Auch wird die neue Sauberkeit die deutsche Sprache nicht umbringen – jedenfalls nicht sie allein. Aber sie trägt ein Stück bei zu ihrer Verunstaltung, zu ihrer Verumständlichung, zu ihrer Sterilisierung. Wer, bitte schön, soll eine Sprache lieben, die sich wie eine Regierungserklärung anhört? 


Der Anfang fiel mir leicht, das Ende fällt mir schwer. Normalerweise erwartet man wohl am Schluss so einer Rede Mahnungen oder Aufrufe; Sie glauben vielleicht, dass der Redner doch noch eine Botschaft parat hat oder irgendeinen Vorschlag verkündet. Ich habe keine Vorschläge zu verkünden und habe nur wenig Hoffnung. Meine größte Hoffnung ist, dass ich mich irre, und insofern freue ich mich über jeden Kritiker, der mich von meiner Irrigkeit überzeugt (anstatt mich für diesen oder jenen Fehltritt zu geißeln). 


Ich habe nicht gewusst, wie diese Rede endet. Als ich sie, irritiert durch eine Radiomeldung, zu schreiben begann, war ich, zugegeben, ein bisschen darauf aus, Sie zu erschrecken. Jetzt bin ich selbst erschrocken. Je länger ich über die Chancen der deutschen Sprache in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung nachdenke, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass sie untergehen wird. 


Alles spricht gegen sie: das unerbittliche Gesetz des Nutzens, man kann es Kapitalismus nennen; unsere blinde Verehrung für die US-amerikanische Kultur; die Katastrophe des Nazismus, der diese Sprache entstellt und verwundet hat und nicht aufhört, sie zu entstellen und sie zu verwunden; das Internet mit seinen Reinigungsphantasien und Schmutzkampagnen; und nicht zuletzt die mangelnde Zuneigung ihrer Sprecher. 


Was war das jetzt also? Ein Abgesang? Eine vorgezogene Trauerrede? 


Manchmal geht es mir mit den Menschen so: Ich versuche sie anzuschauen in dem Bewusstsein, dass sie vergänglich sind. Und manchmal, nicht immer, gelingt es mir durch diesen Blick, mich mit ihnen auszusöhnen. Das Bewusstsein der Vergänglichkeit schafft im Betrachter einen Sinn für Schönheit und Reichtum. Vielleicht nehmen Sie diese Rede als das: als eine Einladung, diese Sprache im Bewusstsein ihrer Vergänglichkeit zu betrachten; sich auf diese Weise an ihr zu erfreuen. Vielleicht lesen Sie dieses oder jenes Buch mit noch größerem Genuss. Vielleicht hängen Sie in einer Mußestunde, falls es das in Ihrem Leben noch gibt, einer Wendung nach, schlagen ein Herkunftswörterbuch auf (gibtʼs auch im Internet) oder blättern mal wieder in einem Ihrer schon gelesenen Lieblingsbücher. 


Lassen Sie sich Zeit, alles verschwindet. 


Der vorliegende Text ist das Typoskript der Dresdner Rede vom 25.2. 2018, gehalten im Staatsschauspiel Dresden. © Eugen Ruge


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