Ziehen (7) Tex Rubinowitz

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Ziehen und sich Hinziehen

Ich hab mal einen Hecht gefangen, mit einer Angel, keiner richtigen, es war nur ein schnöder Stock mit einer Schnur, einem Korken als Schwimmer und am Haken ein Regenwurm, den ich, nachdem ich den Hecht hatte, wieder freiließ, das war in Finnland, das ist keine Kunst. Wenn man geschickt ist, könnte man die Fische auch mit der Hand fangen, ich kann Fliegen fangen, ich weiß jetzt, dass man Vögel werfen kann, also warum nicht auch einen Fisch fangen mit der bloßen Hand? Ok, ich arbeite daran. Aus dem Hecht hab ich eine Suppe gemacht, eine Hechtsuppe, ja, sicher, ich wollte es einfach wissen, was ist es, was zieht an der Hechtsuppe? Muss sie wie Tee ziehen? Wohl eher nicht, je länger man sie kocht, desto blasser wird der Geschmack. Es muss irgendein Wortspiel sein, ich werde es aber nicht googeln, das Rätsel der ziehenden Hechtsuppe soll auf meiner Halde der ungelösten Fragen kompostieren, vielleicht zieht es sich hin, bis eine Hechtsuppe gar ist, weil der muskulöse Fisch ja so festes Fleisch hat, in Portugal gibt’s sogar Steinsuppe, die zieht vermutlich sogar noch länger, Armeleuteessen, sie kochen Steine, die Suppe bekommt das Aroma der auf ihnen wachsenden Flechten, aber ich glaube, das hat eher mit der Illusion zu tun, dass da etwas in der Suppe ist, in Zeiten großer Armut, man warf noch anderes Zeug rein, aber der Stein war die Simulation eines Bratens, so wie Knut Hamsuns Protagonist in «Hunger» Kieselsteine lutscht und sich einbildet, er nimmt etwas zu sich. Nein, es ist ein Märchen, aber das ist auch so langweilig wie vermutlich die Erklärung, was an der Hechtsuppe zieht. Simulationen, Missverständnisse und Geheimnisse sind attraktiver als die alles durchdringende Erklärung für alles. Aha, die Zugvögel schlafen also in der Luft, ohne runterzufallen, wie geht das? Aber das hat man noch nicht rausfinden können, ihr Trick bleibt also da oben irgendwo.