«Scheußlicheres wie ’n Verlag kann man sich
nichtenicht vorstellen»

von

Aus einem Brief von George Grosz an Peter Zingler, 6. März 1947

 

Peter, alter lieber Freund,

… hast also überlebt, und ich gratuliere Dir dazu herzlichst … Es freut mich zu hören, daß Ihr Ro-Ro-Ro-Bücher macht, gut die Idee mit dem Zeitungspapier, kann man nach dem Lesen gleich hinten unten, wenn kein Toilettenpapier da ist, verwenden – geniale Idee … Zinglerboy, Ihr solltet verlegen: den großen amerikanischen Schriftsteller und Pornographen Henry Miller. Für mich einer der größten lebenden Autoren. Lebt zur Zeit in Paris. Hat dort enormen Ruhm geerntet. Hier in USA ist er unbekannt. Deine Verlagsauswahl klingt pessimistisch. Wer liest den Hemingway noch? Wer den Sinclair Lewis? Bin hier snob geworden und gehe mit den Tageserfolgen. Die Balzacausgabe habe ich hier – hatta ja schon mal rausgegeben, der alte drunkard Rowohlt. (Ich bin auch ein drunkard, das nebenbei.) Jules Romains – ungeheuer langweilig – mit Recht in die Akademie gewählt. Aber so ’n deutscher Verlag muß eben sein wie ’n Woolworth Department Store – da müssen die Herren ihre Verbeugungen nach jeder Seite machen …

Übrigens: Scheußlicheres wie ’n Verlag kann man sich nichtenicht vorstellen …

In Liebe stets Dein alter Geo. E. Böff

 

Zingler war ein enger Mitarbeiter von Ernst Rowohlt, der mit Romanen im Zeitungsformat («Rowohlts Rotations-Romane») in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg den deutschen Buchmarkt wiederbelebte. Grosz war mit Ernst Rowohlt in den 1920er Jahren gut bekannt; er entwarf mehrere Umschläge für den Verlag, u. a. für die Erstausgabe von Hans Falladas «Kleiner Mann – was nun?». Im Juni 1949 lernte Grosz auch Heinrich Maria Ledig-Rowohlt kennen, als dieser sich in New York über die amerikanische Buchproduktion informierte. Der Hinweis auf Henry Miller blieb nicht ohne Folgen: Ab 1953 erschienen Millers Werke bei Rowohlt. Für die Rowohlt-Ausgabe von Millers Roman «Plexus» steuerte Grosz die Umschlagillustration bei.